Die ersten Bewohner des Hausprojekts waren ehemalige Hausbesetzer_innen, die die Charlottenstrasse 28 von der Stadt als Ersatzwohnraum für ihr geräumtes Haus angeboten bekamen. Kurze Zeit später wurde im Erdgeschoss links in den Räumen des ehemaligen bulgarischen Restaurants „Bolgar“ die Kneipe „Olga“, und rechts in der ehemaligen Fleischerei eine alternative Kunstgalerie eröffnet. Im Jahr 2002 entstand als Nachfolger der Galerie der linke Buchladen „Sputnik“. Die obere Etage wurde und wird als Wohnung genutzt. Zusammen entwickelten sich diese drei Projekte zu einem wichtigen Anlaufpunkt der Potsdamer linksalternativen Szene.

Seit dem Jahr 2000 hatte der Verein Neue Farben e.V. für das Haus ein jährlich immer wieder verlängerten Nutzungsvertrag mit dem Sanierungsträger Potsdam.
Bereits seit einigen Jahren bekundeten sowohl die Stadt Potsdam als auch der Verein Neue Farben e.V. Interesse an einer dauerhaften Lösung für das Projekt Charlottenstrasse 28. Die unsichere Zukunft des Hauses hemmte beiderseits die Bereitschaft, Arbeit und Geld in die Erhaltung seiner Substanz zu investieren.
Nach etwa einem Jahr kontinuierlicher Verhandlungen um einen Erbbaupachtvertrag über 66 Jahre, der zum einen die Existenz unseres Projekts in der Potsdamer Innenstadt sichern könnte, zum anderen die Möglichekit der seit langem notwendigen Sanierungsarbeiten geben würde, wurde im März 2009 der Vertrag unterzeichnet.
Der Pachtvertrag sieht zuerst einmal die Sanierung des Daches und der Fassade vor. Das Erdgeschoss ist dabei mit dem Buchladen Sputnik und der Kneipe Olga vollständig zur öffentlichen Nutzung bestimmt und soll in dieser Form erhalten bleiben. Der Wohnraum im ersten Obergeschoss soll durch den Ausbau des Dachbodens erweitert werden. Die Kosten der Sanierung sollen durch die Mieteinnahmen getragen werden. Da wir die dadurch unumgänglichen Mieterhöhungen möglichst gering halten wollen, sind wir hier auf externe Unterstützung in Form von Material- oder Geldspenden, von Direktkrediten, Tatkraft oder Bürgschaften angewiesen.
Kontakt: neue-farben@gmx.de
Neue Farben e.V.
Charlottenstr.28
14467 Potsdam
Bankverbindung:
Neue Farben e.V.
KN: 350 202 6083
BLZ: 1600 500 00
MBS Potsdam
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Pressemitteilung Verein neue Farben 9.4.2009
Die CDU hat es in den letzten Jahren auf Grund ihrer Personalquereleien nicht geschafft, sich weder ihren Themen zu widmen noch konnte sie die „Charlotte 28“ verhindern. Jetzt entdeckte die CDU die Charlotte wieder. Allerdings nutzen Anschuldigen wie in den letzten Wochen geschehen nun auch nichts mehr, da wir die nächsten 66 Jahre nun in der Innenstadt präsent sein werden.
Es ist es eher einfallslos, sich in der altbekannten Art und Weise mit dumpfen Parolen und vorgefertigten Vorurteilen an uns abarbeiten zu wollen. Dies zeigt sich in Äußerungen, in denen die selbstverwalteten Potsdamer Hausprojekte als Hort von ruhestörenden Jugendlichen, die nachts Wände beschmieren und erst recht nicht in der Lage sind, „ihre Häuser“ zu sanieren. Diese Äußerungen finden wir gefährlich, sie sind aber nicht neu, sondern sind sozusagen auf einer Linie einer jahrelangen Ausgrenzungspolitik, in der Menschen wie wir in der Potsdamer Innenstadt nichts mehr zu suchen haben. Wir möchten die CDU auch an dieser Stelle daran erinnern, dass sie selbst in ihrer Erstwählerkampagne dafür eintrat, dass Kultur für alle bezahlbar sein muss, flächendeckende Freizeitangebote für junge Menschen selbstbestimmt und in mehr Eigenverantwortung geschaffen werden müssen etc. Vor allem viele junge Menschen engagieren sich ehrenamtlich und selbstbestimmt in den Projekten der Charlottenstraße 28.
Der Erbbaupachtvertrag wurde am 13.3.2009 nach vielen Gesprächen mit dem Sanierungsträger unterschrieben. Diesen Vertrag konnten wir nur unterschreiben, weil eben ein Bau- und ein Finanzierungskonzept von uns in Zusammenarbeit mit dem Architekten erarbeitet worden ist und diese eine wichtige Grundlage bildeten, um den Vertrag überhaupt unterschreiben zu können. Wir haben den Prozess bis zur Unterschrift transparent gestaltet. Die Möglichkeit, an uns heranzutreten und Fragen zum Konzept zu stellen, konnte auch die CDU wahrnehmen. Immerhin gab es ja auch einen entsprechenden Stadtverordnetenbeschluss, in welchem parteiübergreifend dem Verein Neue Farben das Erbbaurecht für die Charlottenstraße 28 eingeräumt worden ist. Statt wild herumzuspekulieren sollte die CDU den Weg in die Charlottenstraße 28 finden und Antworten auf ihre Befürchtungen und Sorgen direkt vor Ort einholen.
Wer sind wir: Wir sind Menschen aus Potsdam nicht nur im jugendlichen Alter und betreiben in der Charlottenstrasse 28 schon seit einigen Jahren ehrenamtlich ein soziokulturelles Zentrum u.a. mit einem Buchladen Sputnik und dem Cafè Olga. Die letzt genannten Projekte werden auch von vielen Tourist_Innen und Migrant-Innen frequentiert. Wir verstehen uns auch gerade in der Innenstadt von Potsdam als Gegenpol und einen Ort kritischer Auseinandersetzungen. Wir setzen uns sowohl für bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen in Potsdam ein und verneinen die Vertreibungspolitik soziokultureller Einrichtungen an den Rand der Stadt.
Mit „unserer“ Entscheidung für einen Erbpachtvertrag wollen wir weiter den Finger auf die Wunden legen, die Stadtpolitik kritisch begleiten und auch über die Stadtgrenzen hinaus uns politisch engagieren.
Neue Farben e.V.
i.A. M. Parade und J.Laabs
Hintergrund:
http://inforiot.de/content/potsdam-cdu-attackiert-alternative-szene-streit-um-graffiti-charlottenstrasse