Willkommen!

Hier seit ihr in der digitalen Präsenz des allseits beliebten Potsdamer Hausprojektes Charlottenstr.28 gelandet. Dieses wird vom “Neue Farben e.V.” “betrieben” und beinhaltet neben einer Bewohner_innen-Etage einen linken Buchladen namens “Sputnik”, die kleine alternative Trinkkaschemme “OLGA” und seit neustem auch den Umsonstladen Umverteiler. Doch seht dazu mehr auf den jeweiligen Subsites.
Wer Fragen oder Unterstützungsangebote hat, kann diese entweder an neue-farben@gmx.de senden oder zum Hauplenum, momentan jeden zweiten Montag ab 19.30 im Buchladen, gehen. Wir freuen uns auf euch!


Artikel in der „Potsdamned“ Ausgabe 2 zur Charlotte28

Quo vadis Charlottenstraße 28?

Seit acht Jahren beheimatet das Haus „Charlottenstraße 28“ den Neue Farben e.V. Das Haus ist ein Ausweichobjekt, das die Stadt Potsdam den neun Bewohner_innen der 2000 geräumten Dortustraße 7 zur Verfügung gestellt hat. Grundlage der Nutzung des Hauses war bislang ein verlängerter Nutzungsvertrag zwischen dem Neue Farben e.V. und dem Sanierungsträger der Stadt, der bislang Jahr um Jahr verlängert wurde. Nun will der Verein Nägel mit Köpfen machen: Ein Erbbaupachtvertrag soll abgeschlossen werden.

Die Stadtverordnetenversammlung hat dafür bereits grünes Licht gegeben. Dem Verein bietet der Vertrag die Möglichkeit, die „28“ langfristig vom Immobilienmarkt der Stadt zu bekommen und das Haus selbstbestimmt zu verwalten. Freilich ist ein Pachtvertrag auch mit höheren finanziellen Verbindlichkeiten für das Haus die Bewohnenden verbunden. Sollte der Verein die entsprechenden Kapazitäten nicht aufbringen können, ist die Existenz der „28“ als alternatives Hausprojekt in Frage gestellt. Der Abschluss eines weiteren einjährigen Nutzungsvertrages mit der Stadt erscheint mehr als fraglich. Das Weiterbestehen der Charlottenstraße 28 ist also keineswegs selbstverständlich.

Außer des steigenden monetäreren Bedarfs, der durch den Vertragsabschluss entstünde, müssten alle Beteiligten eine Baustelle organisieren und verwalten, denn der Pachtvertrag umfasst neben dem Pachtzins auch die Sanierung von Dach und Fassade des Hauses. Diese Aufgaben wären zusätzlich zu den im Haus beherbergten Projekten zu stemmen.

Aktuell besteht die Charlottenstraße 28 aus drei Teilprojekten. Das rechte Patterre des Hauses beherbergt den Buchladen SPUTNIK, der im vergangenen Jahr zünftig seinen fünften Geburtstag feierte. Der Buchladen, im Gründungsjahr von gerade vier Enthusiast_innen ins Leben gerufen und inzwischen von zehn Menschen in ihrer Freizeit kollektiv betrieben, hat sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt für kritikfreudige Lesekundige entwickelt.
Anders als in gewöhnlichen Buchhandlungen kann Mensch sich im SPUTNIK mit einem Buch in die Leseecke zurückziehen. Auch zum Diskutieren und Kaffeetrinken taugt der im Winter von einem gusseisernen Bullerjahn-Ofen geheizte 100-Quadratmeter-Ein-Raum-Laden hervorragend. Natürlich sind die „SPUTNIKs“ auch nicht böse, wenn Mensch die im Laden angebotene Literatur auch tatsächlich käuflich erwirbt.
Das Buchladen-Kollektiv hat den Anspruch, Literatur abseits des gesellschaftlichen Mainstreams anzubieten. Zudem wird der SPUTNIK regelmäßig genutzt, um Lesungen, Buchvorstellungen oder Diskussionsrunden Platz zu bieten. Auch das Plenum der SPUTNIKs und das Hausplenum aller Projekte der Charlottenstraße 28 finden im Buchladen statt.

Auf der anderen Seite des Erdgeschosses öffnet die OLGA täglich ab 19 Uhr ihre etwas lädierte Eingangstür. Das Kneipenkollektiv arbeitet ebenfalls ehernamtlich und betreibt die OLGA in der aktuellen Konstellation seit fast fünf Jahren Die kleine Ein-Raum-Kaschemme ist einer der letzten alternativen Anlaufpunkte der Potsdamer Innenstadt und versteht sich als nichtkommerzieller, linker Treffpunkt. Raum bietet die Kneipe auch und geraden jenen Menschen, die sich das übliche gastronomische Preisgefälle in der Landeshauptstadt nicht leisten können. Der halbe Liter Gerstensaft für einen Euro – in der OLGA ist das seit 2004 Realität und Verkaufsschlager in Einem.
Innerhalb der Kneipe – die sich durch ein wöchentliches Plenum organisiert – gelten spezielle Spielregeln für das zwischenmenschliche Miteinander von Gästen und Betreibern. Wer seinen Durst vorzugsweise mit pöbeligem Mackergehabe und homophoben oder rassistischen Witzen herunterspült, der trinkt sein Bier besser anderswo.
Neben dem alltäglichen Kneipenbetrieb bietet das Café OLGA verschiedene Veranstaltungen wie Filmvorführungen, kleinere Konzerte oder Umsonst-Tausch-Nachmittage. Doch natürlich kann sich jeder Mensch auch schlicht an den selbstgetischlerten Tresen setzen, das Flackern der Kerzen im Ablüftungsstrom genießen und sich seinem Glas Wein, seiner RIXI oder seinem Export-Bier hingeben.

Komplettiert wird das Hausprojekt Charlottenstraße durch die Bewohneretage, die über dem Buchladen und der Kneipe „residiert“. Die aktuellen Bewohner begannen ihr Engagement im Haus mit der Innensanierung der gesamten ersten Etage im Jahre 2006 und verpassten dieser unter anderem eine neue Elektroinstallation und ein wohnliches Ambiente. Große Teile der Verwaltung des Hauses sind seit 2006 auf die Bewohnerinnen und Bewohner übergegangen.

Auf das Hausprojekt kommen nun – wie schon eingangs erwähnt – neue, komplexe Aufgaben zu, die sich nur mit vereinten Kräften bewältigen lassen. Als Erbbaupächter_innen würde der Verein die Sanierung des Hauses entsprechend den Vorgaben des Pachtvertrages finanzieren und bewerkstelligen müssen. Die Sanierung von Fassade und Dach müssen der Ersten Barocken Stadterweiterung entsprechen.

Zudem muss der Verein bereits zu Vertragsbeginn etwa 24.000 Euro auf den Tisch packen, um Gebühren, Notarkosten und den sogenannten Ausgleichsbetrag für das Grundstück zahlen zu können. Zudem braucht es Bürgschaften in Höhe von mehreren Zehntausend Euro, um den Baukredit gegenüber der GLS-Bank abzusichern. Wer dem Haus also mit einem Direktkredit oder einer Bürgschaft über 500 bis 3.000 Euro helfen kann und will, der darf sich gern melden.
Darüber hinaus steht die 28 nach Abschluss des Vertrages vor der logistischen Bewältigung der Baustelle am Haus. Auch hier sind fachkundiger Rat und handfeste Hilfe jederzeit willkommen. Wer auch weiterhin einen linke Anlaufhafen im preußisch-hellgelben Meer der Innenstadt haben will, der kann und darf jetzt etwas dafür unternehmen.
Anlaufpunkt für Unterstützung aller Art ist das Hausplenum, welches im Abstand von drei Wochen jeden Montag gegen 20 Uhr im SPUTNIK zusammenkommt. Hilfsweise darf Mensch sich mit seinen großzügigen Bargeldspenden oder nützlichem Know How auch beim OLGA-Plenum melden, das jeden Montag um 18.30 Uhr tagt, oder im, fast immer zwischen 10.00 und 19.00 Uhr geöffneten, Buchladen abgeben.



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